Tipp März

„Mein Gehirn funktioniert nicht mehr so gut wie früher!“

Haben Sie das auch schon einmal gedacht? Tatsächlich ist es so, dass die Verarbeitungsgeschwindigkeit unseres Gehirns mit dem Alter nachlässt.

ABER: Sämtliche aktuelle Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass wir Menschen, so lange wir beständig Stimulation durch die Umwelt anstreben, ganz und gar nicht dümmer werden. Im Gegenteil: ein altersbedingter Zugewinn an Weisheit darf durchaus erwartet werden! Solange wir uns immer wieder neuen, spannenden Menschen, Dingen und Tätigkeiten aussetzen, kann ein hohes Maß an kognitiven Fähigkeiten erhalten bleiben.

Jetzt werden Sie vielleicht sagen – in Ihrer Erfahrungswelt sieht das aber anders aus! Es scheint jedoch, als sei mangelnder Gebrauch und nicht vorprogrammierter Verfall für die beobachteten Defizite intellektueller Leistung verantwortlich. Krankheitsbilder sind davon natürlich ausgenommen. Und – wiedermal ist die goldene Mitte gefragt: Auch Menschen die ein Übermaß an Stimulation suchen oder aufgrund von zu viel unkontrollierter Veränderung in ihrem Umfeld in die Überforderung kippen, erleben geistige Leistungseinbußen.

Das Komfortzonenmodell verbildlicht diese Phänomene sehr deutlich:

Tipp März

In der Mitte, der sogenannten Komfortzone – der Bereich, mit dem wir vertraut sind – ist unser Leben von Gewohnheiten dominiert. Wir bewegen uns in unserem gewohnten Umfeld, mit den gewohnten Menschen und gehen den üblichen und längst eingespielten Tätigkeiten nach. In dieser Zone wird kein Risiko eingegangen – alles wird beim Alten belassen, selbst wenn Unzufriedenheit vorherrscht. Es ist sehr wichtig eine Komfortzone zu haben um sich immer wieder dorthin zurückziehen und erholen zu können. Aber das permanente Verharren in der Komfortzone – wie es eben oftmals ältere Menschen leben – bedeutet auf Dauer Rückschritt – beobachtbaren, geistigen Verfall.

In der Risikozone wird der Geist inspiriert und es passiert Wachstum. Man lässt sich auf neue Aufgaben, neue Menschen, neue Hobbies oder neue Kulturen und Lebensräume ein. Dazu gehört eine natürliche Verunsicherung – die uns fordern, aber nicht überfordern sollte. Diese Zone sieht für jeden Menschen anders aus. Manches Mal bringt uns das Leben von selbst in die Risikozone, weil wir unseren Job verlieren und uns auf einen neuen Arbeitgeber einstellen müssen, oder weil eine Trennung dazu führt private Gewohnheiten umstellen zu müssen. Manches Mal können wir selbst nachhelfen um nicht nur in alten Gewohnheiten zu versumpern. Jemand, der den ganzen Tag am Computer arbeitet, der könnte z.B. seinen Körper in der Tanzschule fordern oder ein Musikinstrument lernen. Jemand, der ständig mit Menschen zusammenarbeitet, könnte in einem Buch oder am Handy kniffelige Gehirnjoggingübungen absolvieren (davon gibt es unzählige Programme!). Oder in fremde Länder reisen, Sprachen lernen, Schach spielen, Theater spielen, für einen Marathon trainieren, sich beim Roten Kreuz zum freiwilligen Sanitäter ausbilden lassen… Wichtig ist, nicht „mehr von demselben in einer anderen Farbe“ zu tun, sondern sich neuen Herausforderungen zu stellen, die zwar grundsätzlich schaffbar, aber nicht locker zu bewältigen sind.

In der Panikzone ganz außen ist die geforderte Veränderung zu groß. Die Emotionen der Angst und Überforderung dominieren und es erfolgt kein Wachstum sondern ein Leistungsabfall. Die gute Nachricht: Wer sich selbst immer wieder fordert und seine Risikozone regelmäßig besucht, der kommt auch nicht so schnell in Panik, wenn das Leben einmal einen größeren Entwicklungsschritt verlangt.

Quellen und weiterführende Literatur:

Philip G.Zimbardo „Psychologie“, 18.Auflage, 2008
White, Alasdair A. K. “From Comfort Zone to Performance Management”, 2009